Interview mit Rechtsanwalt Maurice Högel: „Gold ist kein Allheilmittel – aber wer es versteht, kann davon profitieren.“

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Der Goldpreis erreicht derzeit neue Höchststände – ausgelöst durch geopolitische Krisen, Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit. Doch wie sicher ist Gold wirklich? Und was müssen Verbraucher wissen, bevor sie investieren? Rechtsanwalt Maurice Högel, Experte für Kapitalanlagerecht und Verbraucherschutz, gibt Antworten.


Herr Högel, viele sprechen vom „sicheren Hafen“ Gold. Ist das gerechtfertigt – oder nur ein Mythos mit Glanz?

Maurice Högel: Gold hat sich historisch als Wertspeicher in Krisenzeiten bewährt. Es ist knapp, nicht beliebig vermehrbar und weltweit akzeptiert. Es gibt keine Inflation im klassischen Sinn, weil Gold nicht gedruckt werden kann. Aber sicher bedeutet nicht risikofrei: Der Goldpreis schwankt – mitunter erheblich – und unterliegt Markteinflüssen wie jede andere Anlageform.


Was treibt die aktuelle Goldrally an?

Högel: Geopolitische Spannungen, insbesondere in Osteuropa und dem Nahen Osten, die Unsicherheit über Wirtschaftswachstum in führenden Industriestaaten, aber auch die steigende Inflation. Zudem bauen einige Länder ihre Goldreserven bewusst aus, um sich gegenüber internationalen Währungen unabhängiger zu machen. Das erhöht die globale Nachfrage.

Viele Verbraucher investieren über Goldbarren, Münzen oder ETFs. Welche Unterschiede sind dabei entscheidend?

Högel: Physisches Gold – etwa in Form von Barren oder Münzen – bedeutet realer Besitz. Man hat es in der Hand oder im Tresor. Das ist sicher, aber mit Lagerkosten und gegebenenfalls Diebstahlsrisiken verbunden. Papiergold, wie etwa börsengehandelte Fonds (ETFs), ist einfacher zu handeln, aber man besitzt kein Gold – nur einen Anspruch. Das birgt Emittentenrisiken. Wenn der Herausgeber des Wertpapiers in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät, kann es kritisch werden.

In der Vergangenheit gab es mehrere Skandale rund um Goldinvestments. Was sind typische Fallen?

Högel: Ein wiederkehrendes Muster ist, dass Unternehmen physisches Gold versprechen, es aber nie tatsächlich besitzen. Bei einigen Betrugsfällen wurden Anlegergelder genutzt, um andere Anleger auszuzahlen – ein klassisches Schneeballsystem. Auch gefälschtes Gold, etwa mit Wolframkern, ist ein reales Problem. Verbraucher sollten stets prüfen, ob das Investment transparent und nachvollziehbar ist.

Welche Maßnahmen können Anleger ergreifen, um sich vor solchen Risiken zu schützen?

Högel: Wichtig ist die Nachprüfbarkeit. Seriöse Anbieter lassen ihre Bestände durch unabhängige Dritte kontrollieren und veröffentlichen nachvollziehbare Berichte. Wer in physisches Gold investiert, sollte wissen, wo es gelagert wird, und sich vergewissern, dass der Zugang gesichert ist. Bei Finanzprodukten auf Goldbasis sollte man die Vertragsbedingungen genau lesen und nicht blind auf Versprechungen vertrauen.

Das Thema „ethisches Gold“ gewinnt an Bedeutung. Ist das auch aus rechtlicher Sicht relevant?

Högel: Absolut. Die Herkunft von Gold ist längst nicht mehr nur eine moralische Frage, sondern zunehmend eine rechtliche. Die EU, aber auch internationale Organisationen, setzen auf strengere Regeln für Lieferketten und die Vermeidung von Konfliktmineralien. Wer Gold importiert oder vertreibt, muss in Zukunft nachweisen können, dass es unter fairen Bedingungen gewonnen wurde – also ohne Kinderarbeit, Umweltzerstörung oder Zwangsarbeit.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Högel: Wer Wert auf ethische Standards legt, sollte auf Zertifizierungen wie „Fairmined“ oder „Fairtrade Gold“ achten. Diese stellen sicher, dass Umweltauflagen eingehalten werden und Arbeiter fair behandelt werden. Der Preis solcher Produkte liegt meist etwas höher, aber man bekommt dafür ein sauberes Gewissen – und schützt sich gleichzeitig vor unseriösen Anbietern, die oft genau diese Transparenz nicht bieten.

Wie gut eignet sich Gold tatsächlich als Inflationsschutz?

Högel: In Zeiten hoher Inflation oder Währungskrisen hat sich Gold historisch als wertstabil erwiesen. Aber das gilt nicht uneingeschränkt. Bei hoher Währungsstabilität oder steigenden Zinsen kann Gold auch unattraktiver werden. Es eignet sich eher als langfristiger Stabilitätsanker, weniger als kurzfristiges Spekulationsobjekt. Wer auf Inflationsschutz setzt, sollte Gold als Teil einer breiteren Anlagestrategie sehen – nicht als alleinige Lösung.

Ihr Fazit: Ist Gold eine sichere Anlage?

Högel: Gold ist ein interessantes Anlageinstrument – aber kein Wundermittel. Es schützt tendenziell vor Inflation und politischen Risiken, unterliegt aber auch Preiszyklen und Marktkräften. Verbraucher sollten realistisch bleiben, auf Transparenz achten und lieber zweimal nachfragen als blind investieren. Wenn Gold glänzt, sollte es nicht nur schön, sondern auch nachvollziehbar sein.

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